Zwischenräume


B A U H A U S  M U S E U M  D E S S A U ?

STADT_BAU_BÜHNE_DESSAU:




Motiv:  Die heutige Bauhausstadt steckt voller Widersprüche. Das Denkmal des historischen Bauhausgebäudes an der Gropius Allee in Dessau erinnert wie jedes Denkmal an vergangene Zeiten und Menschen, insbesondere an seine 1932 in der damaligen Gauhauptstadt Dessau abgebrochene Geschichte. Es wirft künftig wie ein Spiegel Visionen der Bauhausidee ins BMD des 21.Jahrhunderts, die dort widerspiegeln. Dieser zweite Spiegel BMD stellt für uns weder ein weiteres BILBAO noch ein Walhalla an der Mulde dar, die als Touristenattraktion den Geniekult Gropius pflegen, Visionen zu Grabe tragen und beweihräuchern.


Wir begreifen das BMD als guten Boten, als Klone, Parodie, Mausoleum oder Designergruft einer Idee nicht. Die Spuren der  Aufklärung, der technisch industriellen Revolution des Hugo Junkers, des Bauhauses, des Nationalsozialismus, des Sowjetkommunismus sind deutlich in der Bauhausstadt Dessau eingeschrieben. Da die Geschichte des Bauhauses einen Eckstein der Stadtgeschichte bildet, schlagen wir vor, am Standort Stadtpark Dessau im BMD die eine Geschichte in den anderen Geschichten zu reflektieren; denn die Bauhausidee wirkt bis heute in ihrem historischen Spiegel weit über die Grenzen der Bauhausstadt hinaus auf Deutschland, Europa, um nicht zu sagen auf die Welt. Welche Spiegelbilder des Bauhauses zeigt das BMD künftig seitenverkehrt? 

Konzept: 1932 wurde das Bauhaus in Dessau verboten. Mit seinem Eingangshof am Mahnmal für die Opfer des Faschismus nimmt das neue BMD baulich Bezug auf diese Zeit, geht geschichtlich inmitten der Stadt vor Anker und wird sozusagen zum Stolperstein: Das eingeschossige BMD ist ein langgestreckter Pavillon, der den Park von der Stadt abgrenzt. Sein lichtes Foyer liegt am Ende des Wege vom bevorzugten Baufeld der Stellplatzanlage durch den Stadtpark und einem Tor gleich auf Höhe der zentralen Haltestelle der Straßenbahn eines von der Kavalierstraße zurückgesetzten, großen Eingangshofes, der für Veranstaltungen und Feste vorgesehen ist. Die Anfahrt der Busse und die Anlieferung erfolgen über die Friedrichstraße. Besucherservice, Museumspädagogik, Ausstellung, Café und Logistikbereich liegen auf Stadtebene. In einem Zwischengeschoss befinden sich die Museumsverwaltung (über dem Café und der Besucher-gardrobe), die Haus- und Betriebstechnik (über dem Logistikriegel neben der Solaranlage auf dem Dach des Ausstellungstrakts). Das Gebäude ist nicht unterkellert, was Kosten spart.


Komposition: Der Pavillon ist ein bewährter, beliebter Bautyp des Neuen Bauens. Als moderner Zweckbau entbehrt er jedweder ästhetisierenden Verkünstelung und dient in Anlage, Form und Funktion ausschließlich den Belangen des alltäglichen Ausstellungsbetriebes ebenso wie besonderen Ereignissen. Das Foyer erschließt sämtliche Funktionsbereiche. Ein gemeinsamer Zugang verknüpft Sammlung und  Wechselausstellung mit dem Logistikbereich.  Die Halle für Wechselausstellungen und der Eingangshof sind gleich groß. Sie könnten, wenn gewünscht, als ein Veranstaltungsort für besondere Anlässe zusammengelegt werden. Weniger bedeutet in jeder Hinsicht mehr. Das gilt auch für die


Konstruktion: Unser Ziel ist es, ein BMD für das Existenzminimum zu errichten, es so wirtschaftlich wie möglich zu bauen, Baukosten zu sparen und mit dem geringsten Aufwand ein Maximum an Wirkung zu erreichen, um Projekte der wiederzubelebenden, interdisziplinären, temporären Kunst am Bau (Lichtinstallationen, Graffiti, Straßenkunst, Straßentheater usw.) zu ermöglichen. Der Bau entsteht über den Nutzflächen des Raumprogramms auf einem Rohbaumodul von 5 m auf 5 m und einem Ausbaumodul von 0,625 m x 0,625 m. Das Tragwerk ist unscheinbar. Es überlässt dem Imaginären einen symbolischen Raum wechselnder Ausstattung für Veranstaltungen, die künftigen Aufgaben überlassen bleiben. Das primär notwendige und sekundär mögliche Baugefüge folgen in ihrer Anlage dem bewährten Grundsatz eines Theo van Doesberg: Vom Punkt zur Linie, von der Linie zur Fläche, von der Fläche zum Raum. Es besteht aus genormten, tragenden und selbstragenden Bauelementen: horizontale Flächen (Boden, Decke), vertikalen Punkten (Stütze, Pfeiler), vertikale Flächen (Wand, Fenster, Tür). Sie bewirken  drinnen wie draußen ein Netz aus Wegen und Orten der

Kommunikation, weil wir das BMD zugleich als Bau und Bühne (Oskar Schlemmer) verstehen. Das erst macht für uns ein lebendiges Museum mit einem dynamischen, zukunftsweisenden Programm  in der wechselnden Szenographie von Bauhausgeschichte und Bauhausidee möglich. Auch sie sind das Thema der Neuen Kunst im und am Bau. Das Bauhausfest wird wie 1926 und 2010 künftig wieder in der Stadt am BMD ausgerichtet. Straßenkünstler und Straßentheater aus ganz Europa könnten den städtischen

Kontext als urbanes Totaltheater einer offenen Bauhausbühne wiederbeleben. Das Projekt Bau und Bühne ist der Ursprung der Bauhausidee  wie des Totaltheaters (1927) eines Walter Gropius. In der


Konsequenz dieses Projektes schlagen wir vor, diese Idee als roten Faden wieder aufzunehmen, als Bauhausidee im Spiegel des BMD als Vision weiter zu entwickeln. Das setzt die Zusammenarbeit  der Kulturinstitutionen, von Künstler(innen), nicht zuletzt der Bürger von Dessau voraus und macht aus dem Bauhaus Museum Dessau eine aktive Stadt_Bau_Bühne für die  wechselvolle Geschichte einer Idee:
der lebendigen Bauhausidee.



Bauhausfest GRÜN Expedition vegetale LA MACHINE.Dessau 09/2010





Fotomontagen: Laurent  Lescop